von Frank Wollmann, Dresden
Fensterbögen
Steinalt
Steinalt
von Frank Wollmann, 20.03.2026
Es stehen Ruinen, alte Mauern,
teils überwuchert, teils freigelegt,
sie sicher noch viele Jahre überdauern,
was haben sie nicht alles schon erlebt.
Ein jeder Stein gleicht einem Buch.
Man muss die Seiten nur aufschlagen,
erfährt von Liebe, Elend, Krieg und Fluch,
aus längst schon vergang'nen Tagen.
Ein altes Kloster lange schon verlassen,
die Fensterbögen romanisch gebaut.
Das Chorgestühl nur gedanklich fassen,
erklingen Glocken plötzlich laut.
Es sind unsere tiefen Sinne,
die uns ins Reich der Phantasie entführ'n,
hört das Streichen einer Klinge,
kann den Chor Gesang gar hörn.
Da seufzt ein Stein voller Wehmut,
auf ihm ein Liebespaar wohl saß,
denkt an die Zwei mit Demut,
als sie vom Liebesapfel aß.
Steinalt, von Handwerkern getragen,
zu Mauern aufgetürmt,
was uns die Steine können sagen,
wenn es im Winter hat gestürmt.
Insekten sich in Maueritzen zwängen,
gar Vögel ihre Nischen finden,
Wurzeln ihre Statik arg bedrängen,
Efeuranken sich nach oben winden.